Produktionsportfolio optimieren
Ziel:
Das Grasland ausserhalb der Ackerfläche sowie die unvermeidbaren Verluste aus der Lebensmittelherstellung werden als Futterquelle für Rindvieh und weitere raufutterverzehrende Nutztiere sowie Schweine und Geflügel genutzt. In der Tierzucht und -produktion wird der Fokus auf eine gute Gesundheit, eine hohe Nutzungsdauer und hohe Futtereffizienz gelegt . Die gehaltenen Tiere bzw. die Produktionssysteme und die Bewirtschaftung sind an die lokalen Gegebenheiten und an die sich verändernden Klimabedingungen angepasst, wodurch die Umwelt entlastet wird.
(in Anlehnung an «Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050, BLW)
Bereits auf dem Weg
In der Schweiz gibt es mehrere gesetzliche Grundlagen und Strategien, die darauf abzielen, Grasland als Futterquelle optimal zu nutzen, die Gesundheit und Effizienz von Nutztieren zu fördern und die Tierhaltung an lokale Gegebenheiten sowie Klimabedingungen anzupassen. Die wichtigsten sind:
● Das Landwirtschaftsgesetz (LwG) bildet die Basis für die Schweizer Agrarpolitik. Es fördert eine nachhaltige Landwirtschaft, die natürliche Ressourcen schont und die Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel sicherstellt.
● Die Direktzahlungsverordnung (DZV) regelt die Ausrichtung von Direktzahlungen an Landwirte. Sie fördert unter anderem die standortgerechte Nutzung von Grasland und unterstützt Produktionssysteme, die an lokale Gegebenheiten angepasst sind.
● Das Tierschutzgesetz (TSchG) und die dazugehörige Tierschutzverordnung (TSchV) legen Anforderungen an die Haltung von Nutztieren fest, um deren Gesundheit und Wohlbefinden zu gewährleisten. Sie fördern eine artgerechte Haltung, die zur Langlebigkeit und Produktivität der Tiere beiträgt.
● Die Strategie Tierzucht 2030 des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) setzt Schwerpunkte in der Tierzucht, insbesondere in Bezug auf Gesundheit, Robustheit und Futtereffizienz. Sie betont die Bedeutung einer hohen Nutzungsdauer und einer Anpassung der Tierzucht an lokale und klimatische Bedingungen.
Nächste Schritte - Beispiele
Seit 2024 sind in der Schweiz sowohl in der Forschung als auch in der landwirtschaftlichen Praxis neue Projekte gestartet oder ausgebaut worden, die zur klimaschonenderen Tierproduktion beitragen – insbesondere über effizientere Fütterung, Nutzung von Nebenströmen, graslandbasierte Systeme sowie Tiergesundheit und Nutzungsdauer. Während Forschungsprojekte vor allem Grundlagen, Bewertung und Absicherung liefern, zeigen Praxisprojekte, dass erste Umsetzungen bereits im landwirtschaftlichen Alltag stattfinden.
- In der Schweizer Geflügelproduktion gibt es Bestrebungen, durch ressourcenoptimierte Hybridwahl die Effizienz zu steigern. Der Verband Schweizer Geflügelproduzenten (SGP) vertritt die Interessen der Geflügelhalter und setzt sich für eine nachhaltige und effiziente Produktion ein.
- 25 Pilotbetriebe aus Schweiz beteiligen sich an europäischen Projekten wie der "Climate Farm Demo" (2022–2029). Dieses Projekt fördert den Austausch bewährter Verfahren zur Anpassung an den Klimawandel und zur Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft.
- Mit der Unterstützung der Kantone bringt AgroImpact Industrie, Forscher und Landwirte zusammen, um den CO2-Fussabdruck der Landwirtschaft in der Westschweiz zu reduzieren. Mithilfe von angepassten Massnahmen und Digitalisierung setzt sich der Verein für eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige landwirtschaftliche Produktion ein.
- In Zusammenarbeit mit Partnern unterstützt die Bell Food Group beispielsweise eine Schweizer Forschungsgruppe, die untersucht, ob der Futterzusatz Bovaer den Methanausstoss bei raufutterbasierten Mutterkuhhaltungen reduzieren kann. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend: Bovaer kann die Methanemissionen in der Schweizer Mutterkuhhaltung signifikant senken, ohne die Futteraufnahme oder die Gesundheit der Tiere zu beeinträchtigen.
- Die Mutterkuhhaltung fördert die Nutzung von Grasland als Futterquelle. Mutterkühe und ihre Kälber werden überwiegend mit Gras, Heu und Silage gefüttert, wodurch das Grasland ausserhalb der Ackerflächen optimal genutzt wird. Ende 2021 wurde das Projekt «Weidefleisch & Klima» lanciert. Ziel ist, bis 2027 die Umweltbilanz der Natura-Beef produzierenden Bio Knospe-Betriebe zu berechnen.
- Das Projekt „Zukunftsfähige Schweizer Milchkühe" der ASR setzt statt auf Bestandesabbau auf Zucht. Die Nachhaltige Methanreduktion durch Zucht (CH4COW)“ hat zum Ziel, eine routinemässige Erfassung von Methanphänotypen mit Sensoren auf Produktionsbetrieben zu etablieren, die anschliessend für eine Zuchtwertschätzung (ZWS) Methan genutzt werden können. Dieses Projekt wird vom BLW unterstützt und startete Anfangs 2024. Ab Frühling 2026 solle es erste Methanzuchtwerte geben.
- Der Begriff «Agroforst» bezeichnet die Kombination von Bäumen mit landwirtschaftlichen Unterkulturen auf derselben Fläche,wie zum Beispiel die Kombination von Bäumen mit Ackerbau oder Tierhaltung. Beide Nutzungspartner profitieren im Idealfall von den vielfältigen Wechselbeziehungen dieser Gemeinschaft. Agroforstsysteme sind als Biodiversitätsförderflächen vom Bund anerkannt. Das Ziel ist die Förderung von Klimaanpassung, Erosionsschutz und Biodiversität.
Das Projekt Agroforst von Agridea, Coop, EiAG, Bell Food Group will herauszufinden, wie die bestehenden Geflügelweiden von Naturafarm Freiland Geflügel (Poulet und Eier) strukturiert sind und ob Agroforst eine sinnvolle Massnahme für Naturafarm Geflügelbetriebe darstellen könnte. In diesem Projekt sollen auch Herausforderungen, allfällige Risiken und der zusätzliche Arbeitsaufwand transparent thematisiert werden. - Das Projekt "Schweine im Gemüsefeld" bietet eine Lösung für die Verwertung von deformiertem Gemüse. Ein Teil des in der Schweiz angebauten Gemüses, der für den menschlichen Verzehr ungeeignet ist oder den Qualitätsansprüchen der Konsumenten nicht entspricht, bleibt ungenutzt auf den Feldern. Ein innovatives Pilotprojekt, unter der Leitung von Astrid Oetiker von der Silvestri AG, setzt genau hier an und fördert gleichzeitig eine tierfreundliche Schweinehaltung. Das Prinzip ist einfach und zugleich innovativ: Freilandschweine werden auf landwirtschaftlichen Flächen gehalten, auf denen das Gemüse nicht geerntet werden kann. Diese Überschüsse dienen den Schweinen als Nahrung.