Fragen und Antworten

Das Thema Fleisch wird leidenschaftlich diskutiert – oftmals mit Halb- oder Unwahrheiten. Die wichtigsten Fakten zu den Themen Nachhaltigkeit, Tierwohl und Ernährung werden hier nach und nach veröffentlicht und damit falsche Behauptungen widerlegt. Alle Informationen können als Dossier am Schluss dieses Artikels heruntergeladen werden.

Treibhausgase

Emissionen im Gesamtkontext betrachten

Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (CH4) sind die wichtigsten THG. CO2 entsteht durch natürliche biologische Prozesse im Körper jedes Lebewesens des Tierreiches — also auch beim Menschen — und wird durch die Atmung in die Atmosphäre ausgestossen. Methan wird von Wiederkäuern direkt im Verdauungsprozess produziert. Die beiden Gase CO2 und Methan (CH4) stellen an sich kein Problem dar, im Gegenteil, sie sind Bestandteil des Lebens.

Methangas aus der Tierhaltung wird durch die Mikrooorganismen im Pansen der Wiederkäuer gebildet. Ohne diese Mikroorganismen könnte der Wiederkäuer das Gras nicht verdauen. Das Methangas wird durch die Tiere ausgestossen. Es zerfällt in der Atmosphäre zu CO2 (und Wasser). Das CO2 aus der Atmosphäre wird durch alle Grünpflanzen (z.B. Gras im allgemeinen Sinn, alle Ackerkulturen, Algen, Wald) durch den Prozess der Photosynthese u.a. in Kohlenhydrat transformiert, welches wieder als Nahrungsbestandteil aufgenommen wird.

Problematisch ist das Zuviel und der schnelle Anstieg des CO2-Ausstosses, der mit der Industrialisierung und Änderung der Landnutzung weltweit erfolgte und zu einer Anreicherung der schädlichen Gase in der Atmosphäre führte.

Es gilt also, dieses Zuviel zu vermeiden. Die Anreicherung von CO2 in der Athmosphäre muss vermieden werden. Einerseits dadurch, dass die Produktion der tierischen Produkten den CO2 Kreislauf nicht aus dem Gleichgewicht bringt, andererseits muss der CO2 Ausstoss fossilen Ursprungs reduziert werden.

CO2-Kreislauf der Viehwirtschaft

a) 80% der THG-Emissionen ist CO2; 10% ist CH4 und 6% ist N2O. Die Nutztiere tragen 6 bis 7% zu den THG-Emissionen bei.

b) Von 1990 bis 2018 sanken die gesamten CH4-Emmissionen aus der Landwirtschaft um 20 % (= 9, 7% CO2 eq.) dadurch, dass die Effizeinz pro kg Milch bzw. Fleisch gesteigert werden konnte und der Rindviehbestand zurückging.

d) Die gesamten THG-Emissionen der Landwirtschaft sanken zwischen 1990 und 2018 um 12,2%.

e) Pro Kilojoule Energie produzierte die inländische Nahrungsmittelproduktion im Jahr 2017 18% weniger THG als im Jahr 1990. Gleichzeitig stieg der Energie-Anteil der inländischen Nahrungsmittelproduktion um 7,5%.

Solange also in der Schweiz nicht immer mehr Nutztiere gehalten werden, die Effizienz in der Produktion weiter gesteigert und möglichst wenig Futtermittel importiert werden, trägt die Viehwirtschaft nicht zur weiteren Klimaerwärmung bei.

Nachhaltigkeit

Futter für unsere Nutztiere

Die Schweiz hat mit 85,2 % einen sehr hohen Inlandanteil an Futtermitteln. (1) Der grösste Teil davon sind natürliches Raufutter wie Gras und Heu oder Ne­benprodukte aus der Lebensmittelproduktion. Die Futterration unserer Grasfresser (Rin­der, Schafe, Ziegen, Pferde, usw.) zeichnet sich im Vergleich zum Ausland durch einen sehr hohen Anteil an Raufutter und wenig Kraftfutter aus. (2)

Mit Soja im Kraftfutter wird der Eiweissbedarf der Tiere gedeckt. Die für Futterzwecke importierten Sojaprodukte stammen bereits heute zu 96 % aus verantwortungsbewusstem, zertifiziertem Anbau. (3) Verantwortungsbewusst heisst, Soja wurde gentechfrei angebaut und stammt aus Gebieten ohne Abholzung und die Rechte der indigenen und lokalen Be­völkerung werden berücksichtigt. Die vom „Soja Netzwerk“, das Kompetenzzentrum der Schweizer Land- und Ernährungs­wirtschaft für alle Fragen und Belange rund um Soja für Futtermittelzwecke, akzeptierten und in Brasilien angewandten Standards verbieten den Soja-Anbau auf Flächen, die nach 2008 gerodet wurden. Dies wird u.a. mit Satellitenbildern überwacht. (4)

Die Schweizer Mischfutterindustrie veredelt viele Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung zu wertvollem Futter für die Nutztiere, zum Beispiel Mühlenprodukte, Ölkuchen oder Zuckerrübenschnitzel – 2016 insgesamt fast 800'000 Tonnen Trockensubstanz (4). Zudem verwerten Schweine viele Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung auch direkt, zum Beispiel die Molke aus der Käseherstellung oder Mahl- und Schälprodukte aus der Getreide- und Kartoffelverarbeitung. Von einem Weizenkorn beispielsweise werden nur 66% für den menschlichen Verzehr verwendet, der Rest wird als Futtermittel genutzt. Bei den Ölsaaten liegt der Anteil für die menschliche Ernährung zum Teil noch tiefer. So wird die Verschwendung wertvoller Rohstoffe verhindert.

 

Tierwohl

Antibiotika und Tiergesundheit

Die gesetzlichen Grundlagen des Antibiotikaeinsatzes werden in der Verordnung über die Tierarzneimittel (TAMV) definiert. Antibiotika dürfen nur nach tierärztlicher Verschreibung eingesetzt werden. Der Tierhalter muss ein Behandlungsjournal der auf Verschreibung hin eingesetzten Arzneimittel führen und gegebenenfalls die TAM-Vereinbarung mit seinem Tierarzt unterzeichnen. Ohne Vereinbarung kann der Tierhalter keine Arzneimittel vorrätig halten. Erkrankt ein Tier, muss der Tierarzt grundsätzlich vorbeikommen. Die Sensibilisierung und das Wissen über Antibiotika und resistente Keime sind in der Tierärzteschaft sowie bei den Tierhaltenden stark gewachsen.

Gar keine Antibiotika einzusetzen ist keine Lösung. Wenn Tiere krank sind und geeignete Medikamente nicht bekommen, verstösst das gegen den Tierschutz. Wichtig ist der sorgfältige und verantwortungsbewusste Einsatz, denn kranke Tiere müssen behandelt werden – wenn notwendig mit Antibiotika. Die Zucht von gesunden, robusten und gegen bestimmte Krankheiten resistenten Tieren und tiergerechte Haltungsbedingungen sind die beste Vorbeugung.

Ernährung

Tierische Fette

Der Verzehr von Fleischfett stellt kein gesundheitliches Risiko dar. (1) Entgegen vieler Vorurteile ist der Fettgehalt von Muskelfleisch in der Regel eher klein. Zudem variiert der Fettanteil je nach Fleischart, -stück und -produkt. Fette sind zentraler Bestandteil einer gesunden Ernährung. Dabei sind tierische Fette genauso wertvoll wie Pflanzenfette. Fleischfett zeichnet sich besonders durch seine Zusammensetzung aus, denn es versorgt uns mit wichtigen Vitaminen und essentiellen Fettsäuren in einem ausgewogenen Verhältnis. Die oft negative Beurteilung von Fetten lässt sich wissenschaftlich nicht begründen, das zeigen Forschungen der letzten zwei Jahrzehnte.

 

In der Schweiz entspricht das Fleischfett gerade mal 6 Prozent der verbrauchten Kalorienmenge. Fett liefert uns dabei doppelt so viel Energie wie Proteine oder Kohlenhydrate. Es wirkt sättigend und appetithemmend. Eine gewisse Abdeckung und Marmorierung mit Fett ist ein Zeichen hoher Fleischqualität, denn Fett macht das Fleisch besonders saftig, aromatisch und schmackhaft.