Fragen und Antworten

Das Thema Fleisch wird leidenschaftlich diskutiert – oftmals mit Halb- oder Unwahrheiten. Die wichtigsten Fakten zu den Themen Nachhaltigkeit, Tierwohl und Ernährung werden hier nach und nach veröffentlicht und damit falsche Behauptungen widerlegt. Alle Informationen können als Dossier am Schluss dieses Artikels heruntergeladen werden.

Nachhaltigkeit

Aktuell: Nahrungsmittelkonkurrenz

Behauptung:

Die Fleischwirtschaft verbraucht Ressourcen, die sinnvollerweise vom Menschen direkt genutzt würden.

Fakten:

Aus topographischen Gründen sind in der Schweiz zwei Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Grasland. Und bei der Produktion von Lebensmitteln fallen grössere Mengen an Nebenprodukten für die Fütterung an. Beides kann vom Menschen nicht direkt genutzt werden.

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Von der gesamten Erdoberfläche stehen nur rund 36% als landwirtschaftlich nutzbare Fläche zur Verfügung. Aus natürlichen Gründen eignet sich aber sogar weniger als ein Drittel davon als Ackerfläche für den Anbau von Getreide, Mais, Gemüse, Kartoffeln, Reis usw. (1) In der Schweiz präsentiert sich ein ähnliches Bild: Von den rund 1‘046‘000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche sind nur etwa 27% offenes Ackerland oder für den Obstbau geeignet (2). Der Rest sind Wiesen, Weiden, oder Alpen, welche Futter liefern  für unsere Wiederkäuer.

Das hier wachsende Gras kann der Mensch aufgrund des hohen Faseranteils nicht selber nutzen. Aber Rinder, Kühe, Ziegen, Schafe und Pferde können es verwerten und produzieren proteinhaltige Nahrungsmittel wie Milch und Fleisch sowie weitere nützliche Produkte wie Wolle und Leder. So erzeugt die Weidewirtschaft hochwertige Nahrungsmittel auf Flächen, die sonst nicht zur Lebensmittelgewinnung nutzbar sind.  Eine FAO-Studie belegt, dass weltweit 86% des Futters für unsere Nutztiere nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind (3).

  1. http://www.fao.org/faostat/en/#data 
  2. https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/strukturen.assetdetail.11667296.html
  3. http://www.fao.org/ag/againfo/home/en/news_archive/2017_More_Fuel_for_the_Food_Feed.html

 

Die Schweizer Mischfutterindustrie veredelt viele Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung zu wertvollem Futter für die Nutztiere, zum Beispiel Mühlenprodukte, Ölkuchen oder Zuckerrübenschnitzel – 2016 insgesamt fast 800'000 Tonnen Trockensubstanz (4). Zudem verwerten Schweine viele Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung auch direkt, zum Beispiel die Molke aus der Käseherstellung oder Mahl- und Schälprodukte aus der Getreide- und Kartoffelverarbeitung. Von einem Weizenkorn beispielsweise werden nur 66% für den menschlichen Verzehr verwendet, der Rest wird als Futtermittel genutzt. Bei den Ölsaaten liegt der Anteil für die menschliche Ernährung zum Teil noch tiefer. So wird die Verschwendung wertvoller Rohstoffe verhindert.

4. https://www.sbv-usp.ch/de/publikationen/statistische-erhebungen/

Tierwohl

Aktuell: Massentierhaltung

Behauptung:

Die Massentierhaltung ist ethisch bedenklich und soll in der Schweiz verboten werden.

Fakten:

Die Schweizer Tierhaltung weist verglichen mit jener in anderen Teilen der Welt kleine Dimensionen auf. Die Bauern arbeiten in Familienbetrieben und sind täglich im Stall.

Die Schweizer Tierschutzbestimmungen gehören zu den strengsten weltweit und die Tiertransportgesetzgebung ist die strengste der Welt. Regelungen zu den Höchstbeständen verhindern eine industrielle Massentierhaltung. Bei den Legehennen zum Beispiel sind maximal 18‘000 erwachsene Tiere erlaubt, bei den Mastschweinen höchstens 1’500 Tiere. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es Betriebe mit bis zu 600‘000 Hühnern.

In Deutschland wächst der Anteil an Grossbetrieben stark. So erhöhte sich zwischen 2010 und 2019 die Anzahl der Betriebe mit über 5'000 Schweinen um 67%, diejenige der Rinderhaltungsbetriebe mit mehr als 200 Tieren um 14% (1).

In der Schweiz fördert der Staat zudem die verantwortungsvolle Haltung – zum Beispiel mit den freiwilligen Programmen «Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme» (BTS) und «Regelmässiger Auslauf ins Freie» (RAUS). Bereits 85,6% der Betriebe nahmen im Jahr 2018 an RAUS teil, 57,2% an BTS (2).

  1. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/01/PD20_N001_413.html
  2. https://www.agrarbericht.ch/de/politik/direktzahlungen/produktionssystembeitraege

Ernährung

Aktuell: Wertvolle Proteine

Behauptung:

Tierische Proteine sind für den Menschen nicht nötig, denn der Bedarf kann genauso gut mit pflanzlichen Proteinen gedeckt werden.

Fakten:

Neun Aminosäuren sind für den gesunden Erwachsenen essentiell. Proteine tierischen Ursprungs sind reich an essentiellen Aminosäuren. Sie werden deshalb als «hochwertige Proteine» bezeichnet. Zudem sind sie in ihrer Zusammensetzung den Proteinen des menschlichen Körpers sehr ähnlich.

Tierische und pflanzliche Proteine unterscheiden sich in ihrer Bioverfügbarkeit und Verdaulichkeit (1, 2). Sie sind aus vielen Bausteinen, den Aminosäuren, aufgebaut. Unser Körper braucht Aminosäuren für das Wachstum und die Erhaltung der Zellen und Gewebe. Aminosäuren werden als essentiell oder nicht essentiell eingestuft, je nachdem, ob sie mit der Nahrung aufgenommen werden müssen (essentiell) oder ob sie der Körper selber herstellen kann (nicht essentiell). Mit dem DIAAS (Index für verdauliche, essentielle Aminosäuren) wird die Verdaulichkeit und Verwertbarkeit von Nahrungsproteinen ausgedrückt. Werte über 100 bedeuten, dass ein Protein von hoher Qualität und leicht verdaulich ist, somit vom Menschen optimal verwertet werden kann. Tierische Produkte haben dabei oftmals einen höheren Wert als pflanzliche. Beispielsweise weisen Eier mit 113 und Hühnerbrust mit 108 einen höheren Wert auf als Tofu mit 52 oder Kichererbsen mit 83 (3).

  1. https://www.eufic.org/de/whats-in-food/article/was-sind-proteine-und-welche-funktionen-erfullen-sie-im-korper?mc_cid=3e91d452cf&mc_eid=1afb390f8c
  2. http://www.fao.org/ag/humannutrition/35978-02317b979a686a57aa4593304ffc17f06.pdf
  3. https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnut.2017.00013/full