Fragen und Antworten

Das Thema Fleisch wird leidenschaftlich diskutiert – oftmals mit Halb- oder Unwahrheiten. Die wichtigsten Fakten zu den Themen Nachhaltigkeit, Tierwohl und Ernährung werden hier nach und nach veröffentlicht und damit falsche Behauptungen widerlegt. Alle Informationen können als Dossier am Schluss dieses Artikels heruntergeladen werden.

Nachhaltigkeit

Aktuell: Umweltschädigendes Soja im Kraftfutter

Behauptung:

Soja ist ein grosser Bestandteil des Futters für Nutztiere und wird auch in der Schweiz in grossen Mengen verfüttert.

Fakten:

Die Schweiz hat mit 85,2 % einen sehr hohen Inlandanteil an Futtermitteln. (1) Der grösste Teil davon sind natürliches Raufutter wie Gras und Heu oder Ne­benprodukte aus der Lebensmittelproduktion. Die Futterration unserer Grasfresser (Rin­der, Schafe, Ziegen, Pferde, usw.) zeichnet sich im Vergleich zum Ausland durch einen sehr hohen Anteil an Raufutter und wenig Kraftfutter aus. (2)

Mit Soja im Kraftfutter wird der Eiweissbedarf der Tiere gedeckt. Die für Futterzwecke importierten Sojaprodukte stammen bereits heute zu 96 % aus verantwortungsbewusstem, zertifiziertem Anbau. (3) Verantwortungsbewusst heisst, Soja wurde gentechfrei angebaut und stammt aus Gebieten ohne Abholzung und die Rechte der indigenen und lokalen Be­völkerung werden berücksichtigt. Die vom „Soja Netzwerk“, das Kompetenzzentrum der Schweizer Land- und Ernährungs­wirtschaft für alle Fragen und Belange rund um Soja für Futtermittelzwecke, akzeptierten und in Brasilien angewandten Standards verbieten den Soja-Anbau auf Flächen, die nach 2008 gerodet wurden. Dies wird u.a. mit Satellitenbildern überwacht. (4)

Die Schweizer Mischfutterindustrie veredelt viele Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung zu wertvollem Futter für die Nutztiere, zum Beispiel Mühlenprodukte, Ölkuchen oder Zuckerrübenschnitzel – 2016 insgesamt fast 800'000 Tonnen Trockensubstanz (4). Zudem verwerten Schweine viele Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung auch direkt, zum Beispiel die Molke aus der Käseherstellung oder Mahl- und Schälprodukte aus der Getreide- und Kartoffelverarbeitung. Von einem Weizenkorn beispielsweise werden nur 66% für den menschlichen Verzehr verwendet, der Rest wird als Futtermittel genutzt. Bei den Ölsaaten liegt der Anteil für die menschliche Ernährung zum Teil noch tiefer. So wird die Verschwendung wertvoller Rohstoffe verhindert.

 

Aktuell: Antibiotika und Tiergesundheit

Behauptung:

Antibiotika werden in der Nutztierhaltung unkontrolliert und verantwortungslos eingesetzt.

Fakten:

Nein, denn die gesetzlichen Grundlagen des Antibiotikaeinsatzes werden in der Verordnung über die Tierarzneimittel (TAMV) definiert. Antibiotika dürfen nur nach tierärztlicher Verschreibung eingesetzt werden. Der Tierhalter muss ein Behandlungsjournal der auf Verschreibung hin eingesetzten Arzneimittel führen und gegebenenfalls die TAM-Vereinbarung mit seinem Tierarzt unterzeichnen. Ohne Vereinbarung kann der Tierhalter keine Arzneimittel vorrätig halten. Erkrankt ein Tier, muss der Tierarzt grundsätzlich vorbeikommen. Die Sensibilisierung und das Wissen über Antibiotika und resistente Keime sind in der Tierärzteschaft sowie bei den Tierhaltenden stark gewachsen.

Gar keine Antibiotika einzusetzen ist keine Lösung. Wenn Tiere krank sind und geeignete Medikamente nicht bekommen, verstösst das gegen den Tierschutz. Wichtig ist der sorgfältige und verantwortungsbewusste Einsatz, denn kranke Tiere müssen behandelt werden – wenn notwendig mit Antibiotika. Die Zucht von gesunden, robusten und gegen bestimmte Krankheiten resistenten Tieren und tiergerechte Haltungsbedingungen sind die beste Vorbeugung.

Ernährung

Aktuell: Tierische Fette

Behauptung:

Tierische Fette sind ungesund.

Fakten:

Der Verzehr von Fleischfett stellt kein gesundheitliches Risiko dar. (1) Entgegen vieler Vorurteile ist der Fettgehalt von Muskelfleisch in der Regel eher klein. Zudem variiert der Fettanteil je nach Fleischart, -stück und -produkt. Fette sind zentraler Bestandteil einer gesunden Ernährung. Dabei sind tierische Fette genauso wertvoll wie Pflanzenfette. Fleischfett zeichnet sich besonders durch seine Zusammensetzung aus, denn es versorgt uns mit wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und essentiellen Fettsäuren in einem ausgewogenen Verhältnis. Die oft negative Beurteilung von Fetten lässt sich wissenschaftlich nicht begründen, das zeigen Forschungen der letzten zwei Jahrzehnte. (2)

In der Schweiz entspricht das Fleischfett gerade mal 6 Prozent der verbrauchten Kalorienmenge. Fett liefert uns dabei doppelt so viel Energie wie Proteine oder Kohlenhydrate. Es wirkt sättigend und appetithemmend. Eine gewisse Abdeckung und Marmorierung mit Fett ist ein Zeichen hoher Fleischqualität, denn Fett macht das Fleisch besonders saftig, aromatisch und schmackhaft.

 

 

  1. Agroscope Science 4/2014, A. Schmid, Fleischfett - Ein Geschmacksträger mit Einfluss auf die menschliche Gesundheit?:
    https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/publikationen/suchen/webcode.html
  2. https://mein-stueck-schweiz.ch/genuss/